Insel & Natur

Flora & Fauna

Natur entdecken zwischen Watt und Dünen

Pflanzen und Tiere im Nationalpark

Auf den ostfriesischen Inseln gibt es eine einzigartige Flora und Fauna in einer riesig großen Artenvielfalt. Wussten Sie zum Beispiel, dass auf Baltrum Orchideen blühen?

Man muss sich einfach auf Entdeckungsreise begeben! Entweder erkundet man die Insel auf dem Gezeitenpfad oder man lässt sich von einem kundigen Führer durch Salzwiesen, Dünenlandschaften oder das Watt führen.

Die Mitarbeiter des Nationalpark-Hauses geben Hinweise zu naturkundlichen Beobachtungen und kennen die Eigenarten der Bewohner der Dornröscheninsel.

Eine sich stetig verändernde Landschaft aus Sand

Die Dünen auf Baltrum

Dünen sind etwas Wundervolles. Dünen sind nicht einfach nur plumpe Sandhaufen. Dünen sind kleine Berge. Aufgeweht vom Wind, aus unzähligen kleinen Sandkörnern. Stets in Bewegung, stets in neuen wunderbaren Formen.

Das Rauschen der Halme des Strandhafers, das Blitzen der Sonne auf den Gräsern, das Weiß des Strandsandes, Heim vieler Tiere im Inselinneren, das Gold des Sanddorns im Herbst – die Landschaft ist so vielfältig, wie jede Düne anders ist, eine ganz eigene Welt.

Schöne, gute Wege führen durch die Dünenlandschaft im Osten der Insel, Aussichtsdünen gewähren einen Rundumblick bis zu den Nachbarinseln.

Die Dünen sind besonders erholsam, hier reizt das Klima nicht zu sehr und doch ist das Meer allgegenwärtig.

Sieben Kilometer feinster, weißer Sandstrand

Der strand

Sieben Kilometer feinster, weißer Sandstrand direkt vor dem Dorf – da ist man schnell in seiner Strandburg mit Strandkorb. Nur der vordere Teil des begehrtesten Streifens der Insel wird „touristisch genutzt“. Der von der DLRG bewachte Badestrand ist natürlich dort. Strandkorbvermietung, Kajakverleih, Surf- und Kiteschule, Hundestrand – das sind die Treffpunke, die vom Urlauber hauptsächlich genutzt werden – weiter hinten im Osten schließt sich die „unberührte“ Natur an, so hat man das Gefühl.

Weite, einsame Spaziergänge am Spülsaum entlang mit seinen angetriebenen Meeresschätzen und -wundern, das Gefühl des Sandes unter den Füßen, das Kitzeln der Wellen um die Waden, Sonne auf der Haut, Wind um die Nase… der Kontrast zum Watt ist überraschend groß und quasi nur ein paar Schritte davon entfernt.

Brutgebiet der Lachmöwe

Die Salzwiesen

Faszinierend – Leben in diesem sensiblen Streifen zwischen Meer und Festland.

Ab und zu werden die Salzwiesen von Meerwasser überflutet, aber eben nicht so regelmäßig wie das Watt. Wer als Pflanze oder Tier mit solch gegensätzlichen Bedingungen klar kommt – Salz, Sonne, Wasser, Dürre und dann wieder Salz – der hat schon besondere Überlebensstrategien entwickelt. Der Queller zum Beispiel, Salicornia, im Volksmund auch Friesenkraut oder Meeresspargel genannt.

Welche Blüten das Leben auf den Salzwiesen treibt, kann man vom Frühjahr bis zum Herbst besonders gut erleben – das Wechsel der Farben der Salzwiesen im Laufe der Jahreszeiten ist übrigens mindestens so eindrucksvoll wie der Laubwechsel in den Wäldern.

Vor allem die Lachmöwe hat auf Baltrum hier ihre Brutgebiete – zu Tausenden belebt sie die Salzwiesen, um neue Generationen an Lachmöwen aufzuziehen. Das Nationalpark-Haus auf Baltrum bietet geführte Salszwiesenwanderungen an, Startpunkt ist das Zeltlager des Niedersächsischen Turnerbundes im Osten der Insel.

Lachmöwen – Symbol der Insel Baltrum

Die größte Lachmöwen-kolonie in Niedersachsen.

Die Lachmöwe ist die Symbolart für die Insel Baltrum, Landkreis Aurich, im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Obwohl der wissenschaftliche Name Larus ridibundus „lachende Möwe“ bedeutet, leitet sich der deutsche Name vermutlich von „Lache“ als Bezeichnung für Pfütze oder flache Wasserstelle ab. Denn die kleinste unserer häufigen Möwenarten – sie ist etwa taubengroß – kommt auch im Binnenland vor, wo sie vor allem flache Seen besiedelt. Der überwiegende Teil aber brütet mittlerweile im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, wo die Lachmöwe mit ca. 30.000 Brutpaaren die häufigste Brutvogelart ist.

Die mit Abstand größte Lachmöwenkolonie in Niedersachsen befindet sich seit über 20 Jahren auf Baltrum, wo jedes Jahr bis zu 10.000 Brutpaare ganz in der Nähe des Ortes auf der Salzwiese brüten. (Wattenmeerweit gibt es nur auf Griend, einer unbewohnten „Vogelinsel“ in den Niederlanden, eine größere Kolonie.)

Während die Brutbestände am Festland in den letzten Jahren sehr stark zurückgehen, ist die Situation im Nationalpark günstiger. Auf den Inseln sind die Bodenbrüter besser vor Beutegreifern wie dem Fuchs geschützt. Obwohl Lachmöwen selbst manchmal Küken fressen und anderen Vögeln mitunter geschickt die Beute abjagen, siedeln sich vor allem Seeschwalben gerne in ihrer Nachbarschaft an; offenbar überwiegt der Schutzeffekt der großen Kolonie gegenüber anderen Nest- und Kükenräubern die Nachteile der nicht ganz ungefährlichen Nachbarn. Auf Baltrum haben sich 2005 erstmals Brandseeschwalben in unmittelbarer Nähe zu den Lachmöwen eingefunden, auch diese Kolonie ist mittlerweile die größte Niedersachsens.

Die Lachmöwe zählt mit ihrer schokoladenbraunen Gesichtsmaske sicher zu den bekanntesten Vogelarten der Küste, allerdings trägt sie dieses Prachtkleid nur etwa von März bis August. Im Winter kann man sie an dem schwarzen „Ohrfleck“ von den anderen Möwen unterscheiden, das ganze Jahr über an dem weißen, keilförmigen Vorderrand der Handschwingen, der besonders im Flug gut zu sehen ist. Bei Jungvögeln ist dieser Keil noch nicht so deutlich, sie unterscheiden sich außerdem von Altvögeln im Schlichtkleid durch braune Flügelpartien und eine schwarze Schwanzbinde. Bereits in ihrem 3. Jahr sind sie ausgefärbt und brüten in der Regel das erste Mal. Das Brutgeschäft beginnt Mitte April, die Brutplätze in den großen Kolonien werden bereits ab März wieder aufgesucht. Lachmöwen legen meist drei Eier in lose aus Halmen gebaute Nester, die Jungmöwen bleiben als Platzhocker bis zum Flüggewerden im Juli in dem etwa 1 m² großen Revier um das Nest und werden von beiden Eltern gefüttert.

Lachmöwen sind ausgesprochene Nahrungsopportunisten, deren Speiseplan Regenwürmer, Insekten, Krebse, Wattwürmer, Mäuse und kleine Fische umfasst, auch Aas, Früchte und Samen verschmähen sie nicht. Beim Nahrungserwerb gehen sie sehr geschickt und vielseitig vor: Wendig verfolgen sie kleine Fluginsekten, bodenbewohnende Tiere befördern sie durch schnelles Trampeln an die Oberfläche, sie können Nahrung von der Wasseroberfläche absammeln und sogar ein wenig Stoßtauchen, um schwimmende Tiere zu erwischen. Auch menschliche Unterstützung wissen sie zu schätzen, so folgen sie pflügenden Bauern um an Regenwürmer, Mäuse und junge Maulwürfe zu gelangen, Fischkuttern wegen der über Bord geworfenen Abfälle und suchen auch auf Müllhalden nach Fressbarem.

In den letzten Jahren war der Bruterfolg der Lachmöwe in weiten Bereichen des Wattenmeeres – so auch auf Baltrum – schlecht, weil bei einer Sommersturmflut die Kolonien in den Salzwiesen überspült wurden und viele Küken ertranken. Solche Ereignisse wirken sich allerdings nicht so schnell auf die Populationsgröße aus, denn Lachmöwen können 20 bis 30 Jahre alt werden (der älteste beringte Vogel war 32 Jahre alt), haben also etwas Zeit, solche Verluste wieder auszugleichen.

Lachmöwen kommen bei uns ganzjährig vor, die höchsten Bestände werden im Wattenmeer im August erreicht, wenn Gastvögel aus den nordost-europäischen Brutgebieten eintreffen. Von November bis Februar sind die Zahlen am niedrigsten weil viele Vögel im Winter in mildere Gebiete wie Südfrankreich oder Spanien ausweichen, einige überwintern auch im Binnenland. Ein Verhalten, das auch bei uns Menschen verbreitet ist.

Die Lachmöwe auf Baltrum. Die wendige kleine Möwe ist auf Baltrum allgegenwärtig, vor allem zur Brutzeit ist die Luft oft erfüllt von ihren jauchzenden „kriiärr“- Rufen, aber auch ihr „ke ke ke“- Stakkato, das ganzjährig zu hören ist, wird den Urlaubern in Erinnerung bleiben. Die Brutkolonie befindet sich im Westheller südlich des Ostdorfes. Sie ist die größte Deutschlands und die Insel Baltrum schon allein deswegen von nationaler Bedeutung. Bis zu 18 000 Tiere sind von März bis Juli vom Deichweg aus bei ihrem geschäftigen Treiben unüberhör- und unübersehbar; regelmäßig – besonders in den Abend- und Morgenstunden – fliegen die Möwen in großen Schwärmen auf, begleitet von lauten Rufen – ein imposantes Schauspiel! PS.: Station 15 des Gezeitenpfades gibt Auskunft über die Lachmöwe und weitere Brut- und Rastvögel der Insel.

Weitere Informationen unter:
Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer
Nationalpark-Haus „Gezeitenhaus“ Baltrum
www.bund-niedersachsen.de/

Faszination Vogelzug im Wattenmeer

Zugvogeltage im Nationalpark

Jedes Jahr im Oktober dreht sich hier alles um Zugvögel.

Im Oktober dreht sich an der niedersächsischen Nordseeküste und auf Baltrum alles um Zugvögel, die im Herbst zu Tausenden aus dem hohen Norden ins Wattenmeer kommen.

Zugvögel prägen das Bild des Nationalparks. Zu den Zugzeiten im Frühjahr und Herbst gibt es kaum ein Gebiet mit einem größeren Vogelreichtum als das Wattenmeer. Allein im Niedersächsischen Wattenmeer machen Jahr für Jahr über zwei Millionen Vögel Rast.
Ziel der Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer ist es, auf das faszinierende Naturphänomen des Vogelzuges aufmerksam zu machen. Das Programm soll Staunen und Bewunderung wecken sowie informieren und erklären. Gleichzeitig zeigen die Zugvogeltage, welch eine herausragende Bedeutung das Wattenmeer für Zugvögel hat.

Weitere Informationen:
Informationen zu den genauen Terminen in diesem Jahr und zum Programm finden Sie im Baltrum Veranstaltungskalender und auf der Internetseite des Nationalpark-Hauses

Der Gezeitenpfad

Auf der Spur der Geheimnisse
von Ebbe und Flut

Einmalig im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer: Der Gezeitenpfad!

Er führt als Lehrpfad mit Infotafeln und Aktivmodulen in einem sieben Kilometer langen Rundgang über die Insel und erzählt von Natur und Kultur. Zudem geht er wie ein Thalasso-Wanderweg in gesundem Schwung an der Brandungszone, durch die Dünen und Vogelschutzgebiete und an den Hellerwiesen entlang. Eine Broschüre gibt es u.a. im Gezeitenhaus oder in der Tourist Info. Das Baltrumer Nationalpark-Haus ist zugleich Endstation und liefert die Infos, die man unterwegs noch nicht bekommen hat.

Der Eingang liegt aus dem Watt von Neßmersiel aus kommend an der Wattkante. Beim Bootshafen befindet sich das Gezeitenmodell, wo die Kräfte, die Ebbe und Flut bewirken, eindrucksvoll dargestellt sind. Am Küstenschutzdenkmal „Altes Pfahlschutzwerk“ vorbei, geht es über die neue Strandpromenade entlang in Richtung Badestrand.

Irgendwann biegt der Weg ab in die Dünen, dort oben ist ein Wind-Sand-Modul, unten im Dünental ein Wassermodul, das Wasser aus der Baltrumer Süßwasserlinse hebt. Gedenksteine und Schautafeln mit Geschichten aus dem Leben der Insulaner ergänzen die naturkundlichen Informationen – zurück geht es am Ententeich, vorbei in Richtung Nationalpark-Haus. Unterwegs kann man, wenn noch Zeit ist, einen Abstecher über den Deich zum Museum „Altes Zollhaus“ machen.

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Ein ganz besonderes Erlebnis

Baltrum im Winter

Die stille Jahreszeit

Im Winter zeigt sich die Insel von ihrer rauen – vielleicht ihrer schönsten Seite.

Naturgewalt, Nordsee, Eis und Schnee und der Strand für Dich allein! Wenn man an diesen kalten Wintertagen vor die Tür geht, scheint man der Natur noch ein Stück näher zu sein als sonst.

Ein Geheimtipp – Für alle die Ruhe suchen

Wenn wir eingangs behauptet haben, auf Baltrum sei nichts los, so erfährt dieser Zustand im Winter noch einmal eine zigfache Steigerung. Und genau das macht Baltrum während dieser Zeit zu etwas ganz Besonderem.

Die ungebärdige Kraft der Gezeiten, Wind und Wetter, die unberührte Natur, endlose Spaziergänge am Strand und durch die Dünen, bei denen man kaum auf andere Menschen trifft. Danach gemütlich in der warmen Stube sitzen, Tee trinken und plaudern. Ein Buch lesen. Und Zeit haben. Ganz viel Zeit!

Keine Sorge, einsam verhungern werden Sie bestimmt nicht, die Supermärkte und das eine oder andere Restaurant oder Café haben auch in den Wintermonaten geöffnet. Alles da, was man für einen romantischen Winterurlaub am Meer braucht!

Über Silvester jedoch erwacht das Dornröschen zu neuem Leben. Da kommen alle Freunde zurück auf die Insel, um mit den Baltrumern zusammen in das neue Jahr zu feiern.

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